Schiefer Turm von Pisa
Der Schiefe Turm von Pisa ist ein weltberühmtes Wahrzeichen und gleichzeitig die größte touristische Attraktion der toskanischen Stadt Pisa. Der Schiefe Turm von Pisa hat jedoch schon erlebnisreiche Jahrhunderte hinter sich:

Im Jahr 1063 kehrte die Seeflotte der Seerepublik Pisa von ihrem Eroberungsfeldzug aus dem unterworfenen Sizilien siegreich zurück. Die Einwohner von Pisa beschließen, sich und ihrer erfolgreichen Flotte mit einem prachtvollen Platz ein Denkmal zu setzen.
Auf diesem Piazza, dem Campo dei Miracoli, sollen ein Dom und ein Baptisterium aus strahlend weißem Carrara-Marmor errichtet werden. Ein gewaltiger Campanile, ein Glockenturm, soll die Macht Pisas unterstreichen.
Die Stadt Pisa beauftragte den Architekten Bonanno Pisano und zahlreiche Steinmetze mit dem Bau des Campaniles. Die Grundsteinlegung des Glockenturms für den Dom erfolgte 1173. Nach etwa fünfjähriger Bauzeit und mit Fertigstellung des dritten Stockwerks geriet der Turm bereits in Schieflage und neigte sich beträchtlich in südöstliche Richtung.
Maßgeblich war der schlechte Untergrund - eine zehn Meter dicke Schlammschicht und Tonerde - der dem Fundament nicht Stand hielt. Da das Anbringen von Gegengewichten auf der gegenüberliegenden Seite keinen Erfolg zeigte, wurden die Arbeiten eingestellt.
Erst 100 Jahre nach Einstellung der Bauarbeiten entschloss sich Giovanni di Simone zum Weiterbau und setzte vier weitere Stockwerke senkrecht auf den Turm auf mit dem Ergebnis: Der Schiefe Turm von Pisa senkte sich weiter.
Ab dem Jahr 1350 und bereits mit einer Abweichung vom Lot von 1,63 m setzte der Baumeister Tommaso Pisano einen offenen Glockenstuhl auf den Turm - zu seiner heutigen Gesamthöhe von 55 Metern. Der Schiefe Turm von Pisa lockte bereits im Mittelalter Schaulustige an: nicht um die Aussicht vom Plateau zu genießen, sondern um einen geschichtsträchtigen Moment mitzuerleben - das Umfallen des einzigartigen Bauwerks.
Der Schiefe Turm von Pisa wurde zum Symbol und Wahrzeichen der Stadt - allerdings nicht im Sinne der Pisaner, die den Campanile als Zeichen der Macht erbauen wollten. Der Legende nach soll Galileo Galilei den außergewöhnlichen Turm mit seiner Neigung zu physikalischen Experimenten genutzt haben: zur Erkundung der Gesetze der Schwerkraft und zum freien Fall.
Obwohl sich in den folgenden Jahrhunderten die Neigungsdynamik verlangsamte, erfolgten ab 1838 kontinuierlich Sanierungsversuche für das rund 14.500 t schwere Bauwerk. Alle schlugen fehl und verschlimmerten die Situation, so dass aus Sicherheitsgründen 1990 das Wahrzeichen der Stadt für Besucher geschlossen wurde.
Nach jahrelanger Diskussion um die beste Sanierungsmaßnahme, wurde 1994 und 1995 die Neigungsbewegung durch 690 t schwere Bleibarren, die an der Nordseite montiert wurden, gestoppt. Schwere Stahlseile sicherten ab 1998 zusätzlich den Turm vor dem Einsturz.
Ab 1999 kam eine neue Technik zum Einsatz: Extraktionsrohre wurden unter das Fundament gesetzt, um Erdreich unter der Nordseite des Schiefen Turm von Pisa abzutragen. Insgesamt wurden dreißig Tonnen Erde entfernt und der Turm richtete sich um vierzig Zentimeter auf.
Der Schiefe Turm von Pisa wird nie ganz aufrecht stehen, aber dann verlöre er auch seine Attraktivität. Die Besteigung mittels der 294-Stufen-Wendeltreppe ist für Besucher seit 2001 wieder möglich und die Aussicht unvergesslich: über den Arno, die Stadt Pisa und die toskanische Landschaft. Die nächsten 200 Jahre wird der Turm gefahrlos überstehen.
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