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Turin - von der Industriestadt zur kulturellen Metropole
Von Turin ist nicht nur die nationale Einigung Italiens ausgegangen, sondern die Stadt bescherte Italien auch das erste Automobil, das Kino, den ersten Radiosender, das Fernsehen, die Linksintellektuellen, die Soziologen, die Luxuspralinen und noch vieles mehr.
Der Schriftsteller und Ur-Turiner Massimo Campi schrieb in seinem Roman „Sonntagsfrau“, Turin sei „eine ausländische Stadt, die den Rest Italiens hasst und dort alle möglichen elenden Erfindungen verbreitet“. Aus diesen Worten ist zu erkennen, dass Turin eine der kreativsten Städte Italiens ist und nicht nur der Hauptsitz von Fiat und der Familie Agnelli.
Die Hauptstadt des Piemont hat seit 150 Jahren grundlegende Bedeutung für Italien. Ungewöhnlich ist die Geschichte der Stadt gewiss. Im 19. Jahrhundert war das Piemont die einzige Region des Landes, die nicht unter fremder Herrschaft stand.
In Turin kristallisierten sich daher wesentliche Kräfte des italienischen Nationalismus, die nirgendwo sonst Rückhalt finden konnten. Das regierende Geschlecht der Savoyer fand sich fast gegen den eigenen Willen an der Spitze der nationalen Einigungsbewegung.
Man muss dies wissen, um zu verstehen, dass die Geschichte Turins im Stadtbild deutlich zum Ausdruck kommt. Es wurde durch Aristokratie und Monarchie geprägt, als eine wunderschöne barocke Residenz im Geist des französischen Absolutismus. Auf rechtwinkligem Grundriss führen breite Straßen zu großzügig angelegten Plätzen.
Barocke Stadtpalais und Kirchen setzen in dem klar gegliederten Gefüge die Akzente. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als sei Turin eine Stadt ohne Poesie. Aber der Eindruck täuscht. Turin mit seinen oft schwindelerregenden Perspektiven.
Die drei Kirchen des Guarino Guarini: San Lorenzo, Santa Maria Consolatrice sowie die Cappella della Santa Sindone, in der das berühmte Leintuch Christi aufbewahrt wird, zählen zu den größten Werken des italienischen Barock.
Neben Guarino Guarini hat noch ein weiterer Zeitgenosse, der Sizilianer Filippo Juvara, seine Spuren hinterlassen: den Palazzo Madama im Stadtzentrum, aber vor allem die Lustschlösser der Könige in der näheren Umgebung.
Turin, die Stadt der zahlreiche Museen. Das ägyptische Museum besitzt zahlreiche Ausstellungsstücke höchsten Ranges, und in der Galleria d’Arte Moderna sind nahezu alle wichtigen italienischen Maler des 20. Jahrhunderts vertreten.
Ein besonderes Schmuckstück ist die Fondazione Agnelli: hochklassige Arbeiten des 18. Jahrhunderts, des Impressionismus und der klassischen Moderne in einem von Renzo Piano errichteten Ausstellungsschrein auf dem Dach der ehemaligen Fiat-Fabrik Lingotto. Am originellsten aber ist ohne Zweifel das vor wenigen Jahren eröffnete Museo del Cinema – eine gigantische Collage aus Filmklassikern, Fotos, technischen Utensilien und Plakaten.
Und Kulinarisch? Aus den Hochburgen des Genusses rund um das piemontesische Alba kam die traditionelle, hochklassige Küche nach Turin. Sie hat sich hier etabliert und Maßstäbe gesetzt, Mahlzeiten werden zelebriert, Slow-Food ist angesagt und dominiert das gute Essen.
„Turin erfindet sich neu“, heißt es in den Broschüren des Touristenbüros. Da ist Turin dann keine Industriestadt mehr, sondern ein Zentrum umfassender Unterhaltung. Alles, was ästhetisch, heiter, leicht und luftig wirkt, darf zum neuen Image beitragen: Schokolade und Barock, Antiquitätenmärkte, historische Cafés und Einkaufsstraßen, Arte Povera und Königsschlösser.
Der Sprung von der Schwerindustrie zum „leichten Betrieb“, von der dicken Luft der Abgase zur heißen Luft der Unterhaltung ist gelungen. Und jeder, der die Stadt besucht, wird davon profitieren.
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